Die Zeitung Nr. 4

Läbigi Stadt - Die Geschichte

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Als am 1. April 1993 in den Medien die ersten Berichte über "Bern Autofrei" auftauchten, hielten dies viele für einen Aprilscherz. Doch weit gefehlt: Inzwischen gibt es "Läbigi Stadt" seit rund 15 Jahren.

Am Abend des 30. März 1993 hatten rund 30 Personen auf Einladung der Berner JUSOs die Organisation "Bern Autofrei" (BAF) gegründet. Die Gründungsmitglieder waren ein bunter Haufen: Junge WWF-Mitglieder, VelofahrerInnen, Behinderte, Eltern und viele andere, denen der tägliche Lärm und Gestank gehörig auf die Nerven ging. Ihnen allen war gemeinsam, dass sie eine Initiative lancieren wollten, um der zaghaften Verkehrspolitik in der Stadt Bern endlich Beine zu machen. Doch welche Stossrichtung war die Richtige? Sollte eher ein pragmatischer Initiativtext gewählt werden, der einfacher vermittelbar war und grössere Siegeschancen bei einer Abstimmung hatte oder musste eine möglichst radikale Forderung die heilige Kuh Auto in Frage stellen und alle Kräfte gegen den Blechmoloss mobilisieren? Diese Frage zu klären war ein anstrengender und langwieriger Prozess, der ziehmlich genau ein Jahr lang dauerte. Die Antwort sollte typisch werden für die Arbeit von Bern Autofrei: Um die Bewegung nicht zu spalten, wurde ein Drahtseilakt gewählt. Der Initiativtext hatte, ähnlich wie die Texte der Schwesterorganisationen in Zürich, Basel und St. Gallen, eine grundsätzliche Stossrichtung, in der eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs so weit als möglich gefordert wurde. Gleichzeitig wurde aber auch gesagt, dies müsse bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden, und es wurden mehrere konkrete Massnahmen vorgeschlagen. Ausdrücklich wurden im Initiativtext Ausnahmeregelungen für den Gewerbeverkehr und für die Bedürfnisse behinderter Mitmenschen formuliert. So ist es schlussendlich gelungen, dass praktisch das gesamte Rot-Grün-Mitte-Lager sich hinter diese Initiative stellte und sich gleichzeitig auch Anti-Auto-Hardliner damit identifizieren konnten.

Die Initiative trug denn auch nicht wie in anderen Städten (Zürich Autofrei, Basel ohne Auto etc.) den Namen Bern Autofrei, sondern "Läbigi Stadt". Dies zahlte sich aus. In Rekordzeit waren die 5'000 Unterschriften 1994 beisammen und als die Initiative am 20. September 1994 mit 5'640 beglaubigten Unterschriften im Erlacherhof eingereicht wurden, schreckte die Autolobby auf. Die vielen bunten Aktionen auf Parkplätzen und Strassen der Bundesstadt hatten sie nur geärgert, die Lancierung der Initiative genervt. BAF-Mitglieder wurden angefeindet und ein Einbruch auf dem Sekretariat und die Entwendung der Adressendateien bildeten den Höhepunkt dieser turbulenten Tage. Von 1995 bis 1997 waren ruhigere Zeiten angesagt. Mit verschiedensten Aktionen und Veranstaltungen wurde die Erinnerung an die Initiative "Läbigi Stadt" wach gehalten, während in Bern Verkehrsprojekte wie der Schanzentunnel und der Verkehrskompromiss die Gemüter bewegten.

1998 bereitete sich "Läbigi Stadt" fünf Jahre nach der Gründung auf die Abstimmung zur gleichnamigen Initiative vor. Anfang April 1998 startete das "urbane Event" als Kampagnen-Auftakt und es wurde die "Läbigi Stadt-Zeitung" gegründet. Doch der Stadtrat formulierte einen Gegenvorschlag zur Initiative und damit wurden die Karten neu gemischt. Da sich der Gegenvorschlag nur unwesentlich von der ursprünglichen Initiative unterschied, zog "Läbigi Stadt" die Initiative zugunsten des Gegenvorschlages zurück.

Damit ging der Ball nicht an das Stimmvolk, sondern an die Stadtverwaltung weiter, die den Gegenvorschlag im Detail ausarbeiten musste. Doch erst mit dem Wechsel des Dossiers von der Polizei- zur Bau und Planungsdirektion Anfang 2001, kam wieder Bewegung in das Geschäft. Und eine Delegation von "Läbigi Stadt" sass 2001 mehrmals mit den Behörden zusammen, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren.
Zwischenzeitlich hatte "Läbigi Stadt" die Zeit jedoch nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern weiterhin Druck gemacht, für eine wohnliche und lebendige Stadt. So waren etwa die Vorarbeiten für die Piazza-Kampagne angelaufen, welche 2001 zur Einreichung der "Piazza-Motion" im Stadtrat führte. Diese verlangt einen autofreien Platz pro Stadtteil. Und "Läbigi Stadt" half sehr aktiv mit bei der Gründung der IG Autofreies Viererfeld, einer Lobby für jene Menschen, die gerne autofrei in der künftigen Wohnüberbauung Viererfeld leben möchten.

Ende 2001 stimmte eine ausserordentliche Jahresversammlung von "Läbigi Stadt" einer Vereinbarung zwischen dem Gemeinderat der Stadt Bern und "Läbigi Stadt" zu, welche anstatt des stadträtlichen Gegenvorschlages zur Ausarbeitung eines Reglements, die Umsetzung eines Teils der im Gegenvorschlag erwähnten Massnahmen vorsah. Die Vereinbarung mit dem Gemeinderat wurde anschliessend den Medien vorgestellt. Die FDP reichte Beschwerde ein, diese wurde jedoch Anfang 2003 vom Regierungsrat abgewiesen.

Anfang 2002 stimmte der Stadtrat der "Piazza-Motion" zu. Seither hat "Läbigi Stadt" mit mehreren Aktionen die Bevölkerung auf die Lebensqualitäts-Verbesserung, aufmerksam gemacht, welche ein autofreier Platz pro Stadtteil bringen würde. Die Piazza-Kampagne geht auch 2003 weiter, da es zur Durchsetzung dieses Anliegens wichtig ist, den Druck aufrecht zu erhalten. 2003 wird nun wohl endlich auch die Vereinbarung mit dem Gemeinderat zur definitiven Verabschiedung in den Stadtrat kommen. Am 5. April 2003 feierte "Läbigi Stadt" im Restaurant Du Nord seinen 10-jährigen Geburtstag.

 
 
«Läbigi Stadt» ist der Verein für saubere Luft, nachhaltige Mobilität und mehr Lebensqualität auf autofreien Plätzen und in verkehrsberuhigten Quartieren. Wir freuen uns über Deine Unterstützung.

Evi Allemann,
Präsidentin