Die Zeitung Nr. 4

Volksinitiative "Bärenparking": Phantasieloser Parkraumausbau statt innovatives Mobilitätskonzept zur Verkehrsberuhigung und Attraktivierung der Innenstadt

Medienmitteilung vom 15. Februar 2007

"Läbigi Stadt" lehnt die heute von bürgerlichen Parteien und Gewerbekreisen lancierte Volksinitiative "Bärenparking" ab. Statt konstruktiv an Mobilitätskonzepten mitzuarbeiten, welche das Verkehrsaufkommen in der Stadt Bern stabilisieren und reduzieren, propagieren die Initianten des Bärenparkings einen Parkraumausbau und nehmen damit Mehrverkehr in Kauf. Das Projekt "Bärenparking" verstösst nicht nur gegen die neue Bauordnung (BO.06) und den Verkehrskompromiss, sondern unterläuft zentrale klima- und verkehrspolitische Ziele der Stadt Bern.

Wer Parkplätze baut, wird Verkehr ernten. Genau dies will die Stadt Bern mit ihren diversen klima- und verkehrspolitischen Zielen aber verhindern: Gemäss Energiestrategie 2006-2015 soll der Motorisierte Individualverkehr (MIV) bis 2015 um 10% reduziert werden. Das ist angesichts der Verkehrswachstumsprognosen ein ehrgeiziges Ziel, welches nur durch ein Mobilitätskonzept erreicht werden kann, das unter anderem auf einer massiven Verkehrsreduktion, Anreizen zum Umsteigen vom MIV auf den ÖV sowie der Förderung des Langsamverkehrs basiert. Damit will die Stadt Bern einen Beitrag an die Eindämmung des Klimawandels leisten. Die Antwort der Bärenparking-Initianten auf den Klimawandel mutet dagegen schon fast zynisch an: "Parkplatzbau und Mehrverkehr".

Kommt dazu: Die Initiative will in ihrem Hauptpunkt die am 24.9.06 von der Berner Stimmbevölkerung gutgeheissene neue Bauordnung bereits wieder abändern: Die BO.06 sieht in Art. 64 Abs. 2 nämlich vor, dass Bauvorhaben, die nur oder vorwiegend die Bereitstellung von Parkraum bezwecken, nur an Autobahnein- und Autobahnausfahrten oder am Rand des Siedlungsgebiets bewilligt werden dürfen. Der Standort Bärengraben-Klösterli ist weder nahe einer Autobahnein- oder ausfahrt noch am Rand des Siedlungsgebiets. Um die Parkplätze am Klösterlistutz ab Autobahn zu erreichen, müssten Wohnquartiere durchquert werden, was nicht nur eine Belastung der Anwohnerinnen und Anwohner darstellt, sondern auch den Ideen der "Wohnstadt Bern" widerspricht.

"Läbigi Stadt" ist zudem erstaunt, dass ein Teil des Stadtberner Gewerbes offensichtlich noch immer an überholte Verkehrskonzepte, die auf MIV statt ÖV setzen, glaubt. Gerade in der rot-grünen Stadt Bern mit fast 50% autofreien Haushalten hätten innovative Konzepte wie zum Beispiel ein kunden- und umweltfreundlicher Hauslieferdienst, eine autofreie Innenstadt als attraktive ShoppingMall oder ein geschicktes Marketing für "stressfreies Einkaufen ohne mein Auto" ein riesiges Potenzial.

Mit bestem Dank für die Berücksichtigung in Ihrer Berichterstattung und freundlichen Grüssen

Evi Allemann
Präsidentin "Läbigi Stadt", erreichbar unter 079 560 72 94

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Evi Allemann,
Präsidentin